Mittwoch, 8. Juli 2009
Unverschämte Statistiken
Neulich nahm ich an einer Umfrage teil. Diese wurde vom Institut Sinus Sociovision Heidelberg, welches laut Homepage Wissenschaftler aus verschiedensten Disziplinen beschäftigt, durchgeführt. Diese bezog sich auf die Integration von Migranten, wobei allein dieser Begriff schon Ursprung gewisser Probleme sein sollte. Einen Teil der Ergebnisse habe ich sogar später zufällig unter dem Titel „Zuwanderer bereichern Heidelberg“ im Heidelberger Stadtblatt gefunden, wobei mich die wenigstens Menschen als Zuwanderer bezeichnen würden – als Bereicherung natürlich schon ;-). Aber nun gut einer der laut Stadtblatt 505 zufällig Befragten „Zuwanderer“, Bedingung war mindestens ein Elternteil aus dem Ausland kommend, war ich, Muttersprache Deutsch, Bildung in Deutschland etc. Dieses Kriterium blieb im Stadtblatt unerwähnt, nun bin ich eben ein Zuwanderer.
Damit es heimischer und vertrauenswürdiger wirken sollte – Achtung Spekulation – wurde ich durch eine Nichtmuttersprachlerin befragt, die, zu meinem Entsetzen, die Fragen so vorlas, dass diese doppeldeutig waren und ich in jedem Moment durch mangelnde Reflexion oder Kenntnis der deutschen Sprache - wie gesagt, ich, Muttersprachler, Umfrage tendenziell für Nichtmuttersprachler- mich für die Statistiker zum kriminellen Schmarotzer machen hätte können. Vorweggenommen die Umfrage empfand ich als unerhört und von Suggestivfragen durchsetzt – Die Person, die mich befragte kannte das Wort suggestiv allerdings nicht.
So befragte sie mich. Die Option, diese Frage will ich aus Unverschämheit oder aus Mangel an neutraler Antwortmöglichkeit nicht beantworten, gab man mir nicht wirklich. Gefragt wurde: Ob ich erlebe, dass sich Deutsche vor mir zurückziehen. Hallo, ich sehe“ total deutsch“ aus und bin auch deutsch sozialisiert. Ob ich mich bemühe Deutsch zu sprechen. Eigentlich habe ich nicht das Gefühl, dass besondere Mühe angebracht wäre, aber niemand fragt nach der Vatersprache, die in meinem Fall interessanter wäre. Als nächstes (habe leider nicht alle Fragen direkt und haargenau notiert) wurde gefragt, ob mir meine Religion wichtiger sei, als das deutsche Gesetz! 1. Man fragte mich gar nicht, ob ich religiös sei. Nun bin ich moralisch. 2. Wäre es nicht seltsam, wenn ich, im meine eigene Moral, nicht als wichtiger als das Gesetz betrachten würde? 3. Wenn jemand also religiös ist, so soll ihm das deutsche Gesetz wichtiger sein? Und wer sagt überhaupt, dass man da gewichten muss oder sich beides widerspricht? Wie kann man eine solche Frage beantworten? Sollte ich in der Statistik einer der Ausländer, die für ihre Religion Gesetze brechen, die man dann im nächsten Augenblick zu Ehrenmördern uminterpretiert, sein? Und sind mir die Bräuche meines Herkunftslandes wichtiger als deutsche? Äh, trifft nicht zu, weil die Frage unpassend ist. Hallo, ich bin direkt aus dem Bauc zugewandert. Aber was soll da raus kommen? Ein xenophobiesteigerndes Ergebnis? Dürfen Ali oder Igor nicht allerlei Traditionen frönen. Bereicherung statt Armut? Ob ich denke, dass der Mann für die Familie sorgen muss? Ja. Und nun, nun bitte die Frage, ob die Frau. Ah, ätsch, kommt nicht mehr. Da ist man doch glatt drauf reingefallen und statistisch Anhänger des Patriachats? Dann bin ich halt ab jetzt konservativ und bleib zuhause. Ach, ich bitte um Zwangsheirat, dann muss ich nicht suchen! Jetzt aber zu den echten Werten. Geld. Pfeife ich denn auf Sicherheit und mache mir lieber ein aufregendes Leben? Hierzu sei angemerkt, dass meine Wortwahl sehr nahe an den Originalfragen grenzt. Hah, da habe ich doch hinterher auf der Homepage gelesen, dass auch namenhafte Banken Kunden von Sinus Sociovision sind. Kaufe ich denn Dinge ohne drüber nachzudenken, ob ich sie mir leisten kann? Wer sagt denn, dass ich arm bin? Ja, Ja, aber ob ich denn gerne provoziere? Ich? Nö. Vorsichtige Antwort. Der Ausländer ist ja nicht sarkastisch. Der Ausländer wäre, ist gewalttätig, temperamentvoll und unerzogen. Und deshalb lebe ich lieber von der Stütze als mich rumkommandieren zu lassen? Mmh, entweder oder? Na, dann rein in den Matsch. Und klassische Tugenden: ob die Bedeutung haben, so Sauberkeit und Sparsamkeit. Ich hätte an dieser Stelle gelacht, aber ich war bereits wütend. Der temperamentvolle Ausländer halt. Wo war mein Mann, der mir die Teilnahme an der Umfrage verboten hätte? Aber für Leute wie mich gibt es keine Chancen? Genau! Endlich spricht man mir aus dem Herzen. Nur wer bin ich. Okay, so ein paar Basisdaten hat man schon erfragt. Und ja diese kann man als mildernde Umstände gelten lassen. Aber meine Anklage bleibt, wenn ich doch doch nur die Chance hätte mich auszudrücken. Die guten Arbeiten werden den Ausländern nicht überlassen. Wie war. Naja, ein paar ausländische Ärzte gibt es schon, die nicht im Krankenhaus arbeiten, sondern tatsächlich eine Niederlassungslizenz bekommen haben. Wenn die Ehre meiner Familie auf dem Spiel steht, kenne ich keine Gnade. Was ist Ehre? Also wenn jemand meine kleine Schwester vergewaltigt, dann kenne ich keine Gnade, auch nicht vor dem deutschen Gesetz. Vor allem bin ich an der deutschen Lebensweise interessiert, die meines Herkunftslandes interessiert mich nicht. Wieder entweder oder? Und klar in Deutschland gibt es nur eine einzige Lebensweise. Wo bleibt der Hackbraten? Ob ich außer Haus gehe? Wie soll ich traditionsvernachlässigtes Wesen sonst einen anständigen Mann finden mit dem ich dann meine Herkunftssprache sprechen kann und der gefälligst für mich und meine kriminellen, verschwenderischen Kinder sorgt, finden? Dann wurden Veranstaltungen, Mitgliedschaften und so erfragt. Ich engagiere mich bei […]. Und ob der Ehepartner die gleiche Nationalität haben muss. Eigentlich gibt’s ja genug „Deutschtürken“. Ach, Hauptsache Mann. Wie gerne wohnt man den in Deutschland? Also nach der Umfrage bin ich ausgewandert. (Aber bin ich dann jetzt Zurückwanderer? Komisch, dass ich jetzt Ausländer bin) Fast zu guter Letzt kam der schlimmste Lesepatzer, ich ließ mir die Fragen ohnehin öfter vorlesen. Sie las und ich hörte: Wie stark fühlen sie sich Deutschland oder dem Herkunftsland/ihrer Familie hingezogen? Vor die Wahl gestellt Herkunftsland und Familie oder Deutschland, natürlich Deutschland! Es lebe meine Herkunftsland ohne mein Familie! Auf den allgemeinen Teil folgte ein Heidelberg spezifischer, so das Stadtblatt,. Da fragte man, ob Ausländer von der Stadt Heidelberg finanziell und in einer anderen Frage materielle Hilfe bekommen sollten. Na klar, gebt den stationierten Amerikanern gefälligst ein paar vernünftige Autos! Und sowieso ich will jetzt sofort meinen Urlaub bezahlt haben! Macht ihr das? Juhu! Dem Institut Sinus Sociovision sei dann auch gedankt, dass sie so toll meine Wünsche ermitteln! Es gab auch keine Option für eigene Kommentare. Interessiert ja niemanden. Sicherlich habe ich ein Paar, nicht die Mehrzahl der Fragen in der Erzählung ausgelassen Fast tat mir die „Ausländerin“ leid, die mich befragen musste..
Aber dafür war ich viel zu wütend. Wütend auf das Institut und ihre Auftraggeber. Das Ergebnis für Heidelberg: Mehr Asiaten als sonst wo, weniger Türken, mehr Bildung unter Ausländern. Das hätte ich ihnen auch ohne Umfrage erzählen können. Die Dönerladendichte ist schließlich viel zu gering und die Ausgaben für Forschung viel zu hoch, um nicht auch die Gebildeteren von uns anlocken zu können. Das sind doch dann die Asiaten oder nicht? Unter den Acht Typen, in die man uns, so Stadtblatt, einordnet, ist er bestimmt der Vorzeigeschüler und ich gehe dann mal lieber an den Herd...
Dienstag, 12. Mai 2009
Montag, 11. Mai 2009
Donnerstag, 7. Mai 2009
Mittwoch, 22. April 2009
Experience China: getting nails done
Donnerstag, 16. April 2009
Chinaeindruecke - Angaben ohne Gewaehr...
... und als Pauschalisierungen natuerlich mit Humor zu geniessen.
1. Hunde sind Haustiere!
2. Man wird gerne fotografiert, haelt stolz sein Kind gen Kamera und bedankt sich dann.
3. Lasst uns alle fuer Reichtum beten!
4. Entwicklungsland? Schwellenland? Nicht im Osten!
5. Billiges China - aeh, nein.
6. Great Firewall of China? Schreibe ich gerade hier oder etwa nicht?
7. Wenn man keine Klotuer hat, braucht man auch nix anfassen.
8. Chinesen koennen ihr Gesicht zwar verlieren, scheinen aber andererorts schamlos!
9. Chinesen arbeiten hart? Vielleicht, oft herrscht allerdings Personalueberschuss und es wird jede Menge rumgealbert.
10. Ich will einen grossen (Nordchina) strebsamen (in Shanghai arbeiten und putzen diese)chinesischen Mann! Die Kinder sind sooooooooooooooooooooo suess!
Mehr folgt! Hoffentlich...
Mittwoch, 8. April 2009
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